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Andere Mamas packen ein Kind in den Tag. Ich packe alles mit.

Was eine feinfühlige Mama wirklich erlebt: einen Tag, der nicht ein Tag ist, sondern mindestens drei. Antennen, die nie ausgehen. Und kleine Dinge, die als hochsensible Mutter trotzdem tragen.

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6:30 Uhr

Mein Sohn ist wach. Bevor ich ihn höre. Ich weiß einfach, dass er gleich ruft. Eine Sekunde später ruft er.

Mein Mann fragt jeden Morgen: „Woher weißt du das?“ Ich zucke mit den Schultern. Ich weiß es einfach.

Das ist nicht magisch. Das ist mein Tag, der schon am Anfang nicht ein Tag ist, sondern mindestens drei.

Mein Tag. Sein Tag. Der Tag, an dem ich spüre, was er fühlt.

7:15 Uhr. In der Küche.

Ich gieße den Kaffee. Während ich gieße, weiß ich:

Mein Kleiner ist heute morgens leiser als sonst. Was ist los?

Mein Mann hat schlecht geträumt. Erkennt man daran, wie er die Tasse hält.

Der Hund will früher raus als sonst. Irgendwas im Garten ist anders.

Eigentlich gieße ich nur Kaffee. Eigentlich.

Andere Mamas gießen Kaffee.

9:30 Uhr. Wir bauen.

Er sitzt auf dem Wohnzimmerboden und baut etwas Großes. Lego, würde meine Mutter sagen. Bei ihm ist es ein Raumschiff, das gleichzeitig Bus und Bäckerei ist.

Ich sitze daneben mit einer Tasse Tee. Ich tue, als würde ich nur zusehen.

In Wahrheit: ich spüre, wie er beim Bauen ruhiger wird. Ich spüre, wie sein Atem langsamer geht. Und ich spüre, dass ich gleich auch tiefer atmen kann.

Das ist die Magie. Wenn er ruhig ist, darf ich's auch sein.

11:30 Uhr. Spielplatz.

Wir kommen vom Einkaufen, ich bin schon dünn. Spielplatz heißt: zehn Kinder, zehn Mütter, zehn Stimmungen. Plus meine.

Ich setze mich auf die Bank und lächle. Innen drin zähle ich, wie viele Minuten ich das noch durchhalte.

Die Mutter neben mir erzählt, dass ihr Sohn so anstrengend ist. Ich nicke. Mein Kopf rechnet schon: ist sie wirklich überfordert, oder will sie nur erzählen? Sucht sie Bestätigung? Soll ich was sagen, oder lieber nur nicken?

Drei Sekunden später kommt mein Kleiner und will, dass ich seine Hand halte. Ich halte sie. Aber meine andere Hand ist innerlich noch bei der anderen Mama.

Andere Mamas sitzen auf der Bank.

14:00 Uhr. Mittagschlaf.

Endlich. Er schläft. Ich sitze auf der Couch und merke: ich kann gerade nichts mehr spüren.

Das ist nicht Müdigkeit. Das ist Sättigung. Wie ein Glas, das überläuft, wenn du noch einen Tropfen reingibst.

Das ist der Moment, in dem ich früher gedacht hätte: Was ist los mit mir? Ich liege wie ein nasser Sack, mein Kind schläft, ich könnte hundert Sachen machen. Stattdessen liege ich da und tu nichts.

Heute weiß ich: das ist meine Mama-Speicher-Karte. Die ist voll. Die muss erst gelöscht werden, bevor was Neues draufpasst.

Erkennst du dich? Du musst das nicht allein durchhalten. Im Gruppenraum treffen sich feinfühlige Menschen in kleiner Runde, maximal drei. Mit jemandem, der nickt statt komisch zu gucken. Lies danach in Ruhe hier weiter.

→ Zum Gruppenraum

16:30 Uhr. Wir kommen rein.

Wir waren draußen. Spielplatz, ein bisschen Spaziergang, kurz beim Bäcker. Auf dem Rückweg merke ich es an seinem Atem. Schneller als sonst. Dann an der Stimme, die zu laut wird, obwohl der Inhalt harmlos ist.

Heute war zu viel. Auch für ihn.

Ich rede nicht. Ich nehme seine Hand. Wir gehen langsamer als sonst. Manchmal ist das schon das ganze Gespräch.

Andere Mütter würden jetzt fragen: „Was war heute am schönsten?“

Ich frage: „Sollen wir den Rest leise gehen?“ Und er nickt erleichtert.

20:00 Uhr. Gute-Nacht-Geschichte.

Wenn der Tag sich entspannt, kommen die schönen Momente.

Ich liege neben ihm. Er hat den Kopf an meiner Schulter. Er hört die Geschichte und wird langsam schwerer.

In diesem Moment spüre ich ihn auch. Aber jetzt fühlt es sich anders an. Jetzt ist das Spüren weich.

Vielleicht ist das der Grund, warum wir Sensi-Mamas trotz allem nicht weniger spüren wollen. Nur anders. Mit Pausen. Mit Schutz. Mit dem Wissen, was wir da überhaupt spüren.

Die Antennen-Sache

Manchmal denke ich, normale Mamas haben zwei Antennen. Eine für sich, eine für das Kind.

Ich habe sechs. Manchmal sieben.

Eine für mich. Eine für ihn. Eine für meinen Mann. Eine für den Raum, in dem wir sind. Eine für die andere Mama auf dem Spielplatz. Eine für meine Eltern, die noch vom letzten Telefonat nachhallen. Eine für irgendwas, das gerade in mir hochkommt und sich noch nicht benennen lässt.

Die Antennen kann ich nicht abschalten. Auch wenn ich's wollte. Hab ich versucht. Geht nicht.

Aber ich kann lernen, sie zu lesen. Zu wissen, welche Antenne mir gerade was sagt. Was ist meins, was ist seins, was ist der Raum.

Das macht den Unterschied. Nicht weniger spüren. Aber wissen, was du spürst.

Was mir hilft, als feinfühlige Mama

Wundermittel gibt es keins. Aber kleine Sachen, die wirken:

Der Parkplatz vor der Tür. Wenn ich vom Einkauf oder Spielplatz wiederkomme und merke, dass ich noch zu voll bin, sitze ich noch zwei Minuten im Auto, bevor ich aussteige. Niemand spricht mich an. Niemand braucht mich. Das reicht oft.

Ist das meins oder seins? Wenn ich Druck merke, frage ich kurz: ist das mein Druck, oder spüre ich gerade seinen? Hilft, das auseinanderzuhalten.

Pausen vor dem Kontakt. Bevor mein Mann von der Arbeit kommt, atme ich kurz. Bevor mein Sohn aus dem Mittagschlaf aufwacht, auch. Drei Sekunden Stille. Manchmal reicht das.

Nicht „funktionieren wollen“ wollen. Wenn ich auf der Couch liege und müde bin, lege ich mich hin. Die Wäsche kann warten. Sie wartet eh schon.

Drüber reden. Mit einer anderen feinfühligen Mama. Mit einer, die nickt statt komisch zu gucken. Das ist nicht nur Verständnis. Das ist Sauerstoff.

22:30 Uhr

Mein Sohn schläft fest. Mein Mann liest noch. Der Hund schnarcht leise.

Ich liege wach und merke: heute war's viel. Aber heute war's auch warm. Die Hand auf meiner Schulter. Das Lachen am Tisch. Das Gesicht meines Mannes, wenn er den Hund streichelt.

Das Spüren hat zwei Seiten. Es nimmt. Aber es gibt auch.

Wenn du das hier liest und denkst „ja, genau so“, dann sag dir bitte:

Du bist keine zu sensible Mama.

Du bist eine Mama, die mehr aufnimmt.

Das ist anstrengend. Aber es ist auch ein Geschenk an dein Kind. Es wird sich an dich erinnern als die, die wirklich da war. Nicht nur körperlich.

Und wenn du Lust hast, darüber zu reden mit jemandem, der genau weiß, wie sich das anfühlt, dann melde dich bei mir. Im Gruppenraum oder für dich allein. Ganz wie es sich für dich richtig anfühlt.

Deine Jennyfer

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