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Wenn der Kopf nicht abschalten will. Über feinfühlige Frauen, Lust und das, was wir uns nicht geben.

Über Frauen, die bei Liebesfilmen dahinschmelzen und im echten Leben mit der Einkaufsliste im Kopf liegen. Über das, was hochsensible Menschen wirklich brauchen, um sich zu spüren.

Magst du erstmal rausfinden, ob du selbst hochsensibel bist? Zum HSP-Test

Kennst du das?

Du schaust einen Liebesfilm, und der Mann auf der Leinwand sieht die Frau an, wie sie vermutlich noch nie jemand angesehen hat. Du schmelzt dahin.

Irgendwann später kommt dein eigener Mann zu dir. Vielleicht legt er beim Kochen seine Hand auf deine Hüfte, vielleicht zieht er dich im Vorbeigehen kurz an sich, vielleicht liegt ihr abends im Bett und er möchte dir nahe sein. Und während er das tut, wandert dein Kopf woanders hin. Zur Milch im Kühlschrank, die heute fast leer war. Zur Wäsche, die noch im Trockner liegt. Zu der Hose, die dein Sohn morgen für die Kita braucht. Zu dem Geräusch von eben, ob das wirklich nur das Auto vom Nachbarn war.

Du wirst nicht abgeholt, und das nicht, weil dein Mann nichts tut, sondern weil du in deinem Kopf gar nicht hier bist.

Oder vielleicht ist es bei dir noch ganz anders. Du bist Mutter, vielleicht stillst du noch oder hast gerade die Stillzeit hinter dir, vielleicht ist dein Kind den ganzen Tag dicht bei dir, sucht deine Nähe, deine Wärme, deinen Körper, weil es bei dir gerade seinen Halt findet. Wenn dann irgendwann auch noch dein Mann näher kommen will, fühlt es sich an, als hätte dein Körper schon den ganzen Tag jemandem gehört. Du willst nicht. Nicht weil du ihn nicht liebst, sondern weil du körperlich am Limit bist und einfach nur noch dich brauchst.

Vielleicht erkennst du dich in beidem, vielleicht in einem mehr, vielleicht ändert es sich von Tag zu Tag. Hier geht es heute vor allem um das erste Thema, weil ich glaube, dass es noch zu wenig benannt wird. Über Lustlosigkeit als Mutter, über Stillzeit und körperliche Sättigung schreibe ich bald in einem eigenen Beitrag, weil das eine eigene Tiefe verdient.

Wenn du dich hier wiederfindest, bist du richtig.

Bevor wir weitergehen

Ich bin Sensi-Begleiterin und begleite feinfühlige Frauen in dem, was ihnen oft schwer fällt: sich zu spüren, sich abzugrenzen, sich selbst zu lieben. Eine Sexualtherapeutin bin ich nicht, das ist eine andere Ausbildung und ein anderer Beruf.

Was du hier liest, kommt aus meinem eigenen Leben und aus den Gesprächen mit den paar Frauen, die mir gerade ihr Vertrauen schenken. Es kommt aus dem, was Frauen mir nebenbei erzählen, wenn wir uns auf dem Spielplatz oder beim Friseur treffen. Und es kommt aus dem, was ich in Foren, Büchern und Filmen über das Thema finde. Es ist keine Wissenschaft, sondern eine Sammlung von Beobachtungen. Vielleicht erkennst du dich darin wieder, vielleicht auch nicht. Beides ist gut.

Falls du jetzt schon merkst, dass dich der Text mehr berührt, als du erwartet hast, und du jemanden zum Reden suchst, der nicht komisch guckt sondern nickt, dann schau gern im Gruppenraum oder im Einzelgespräch vorbei. Du musst nicht warten, bis du am Ende des Beitrags angekommen bist.

Was Filme zeigen, was wir uns selbst nicht geben

Vampir-Romane gehen in Millionen-Auflagen weg, Liebesfilme laufen seit Jahrzehnten, und in jeder zweiten Fantasy-Serie sieht irgendein Mann irgendeine Frau an, als wäre sie sein ganzes Universum. Frauen kaufen das, schauen das, lesen das nachts heimlich, und das in gewaltigen Mengen. Das ist kein Zufall.

Wir spüren beim Schauen etwas, das im echten Leben oft fehlt: das Gefühl, wirklich gesehen zu werden, begehrt zu werden einfach weil man ist, und geliebt zu werden, ohne dafür funktionieren zu müssen. In Wahrheit sehnen wir uns gar nicht nach diesem konkreten Mann auf der Leinwand. Wir sehnen uns nach dem Gefühl, das er uns zeigt.

Das Problem hochsensibler Frauen

Wir sind nicht aus Stein. Wir wollen Nähe, wir wollen Lust, wir wollen tiefe Verbindung. Nur: unser Kopf macht einfach nicht zu.

Während andere abschalten und im Moment ankommen können, sitzen wir noch in Antennen-Bereitschaft. Auch wenn sein Arm uns beim Kochen umfasst. Auch tagsüber im Vorbeigehen. Auch um zwanzig Uhr im Bett. Während andere Frauen scheinbar mühelos vom Tun ins Spüren wechseln können, schreibt unser Gehirn noch die Einkaufsliste fürs Wochenende, inventarisiert die offenen To-Dos, spürt, dass draußen der Hund aufgestanden ist, und erinnert sich plötzlich an einen Streit von vor drei Wochen.

Das ist nicht Mangel an Liebe und nicht Mangel an Begehren. Es ist ein Nervensystem, das den ganzen Tag aufnehmen musste und jetzt nicht weiß, wie es loslassen soll.

Elaine Aron, die Hochsensibilität als Konzept beschrieben hat, schreibt etwas, das ich nie vergessen habe: Hochsensible brauchen in der Liebe längere Aufwärm-Zeit, mehr Sicherheit und weniger Reize. Sie sind nicht weniger sexuell als andere, sie sind anders.

Sex ist mehr als Mechanik

Es gibt diese alte Sichtweise, dass Sex eine rein körperliche Sache sei. Reizung, Reaktion, Orgasmus, fertig.

Wer hochsensibel ist, weiß aber, dass das so bei uns nicht funktioniert. Sex ist für uns Begegnung und Energieaustausch. Es bedeutet, sich einem anderen Menschen mit allem auszusetzen, was wir an diesem Abend mitbringen: mit Müdigkeit, Frust, alten Erinnerungen. Und mit allem, was er mitbringt: mit seinem Stress, seinen Sorgen, dem Nicht-Gesagten aus seinem Tag. Das alles geht in den Raum mit rein.

Und weil wir feinfühlig sind, nehmen wir das auf, auch ohne dass es ausgesprochen wird. Manche Frauen erzählen, dass sie die Energie ihres Partners noch tagelang in sich nachhallen spüren. Nach gutem Sex fühlen sie sich wie aufgeladen, nach unschönem wie ausgehöhlt. Das ist keine Esoterik, sondern genau das, was hochsensible Menschen mit ihren Antennen mitnehmen, ob sie wollen oder nicht.

Mit wem du dich liebst, ist nicht egal

Daraus folgt eine unbequeme Wahrheit, die viele Frauen erst spät verstehen: Mit wem du dich liebst, prägt dich. Wie er dich anschaut, wie er dich anfasst, was er emotional in den Raum bringt, all das wirkt in dir nach.

Wenn du dich tief liebst und dir selbst glaubst, dass du gut bist, wie du bist, dann gerätst du gar nicht erst an Partner, die dich klein machen. Du würdest es nicht aushalten, weil du zu stark dafür wärst.

Und wenn du gerade in einer Beziehung steckst, die sich oft schwer anfühlt? Dann beginnt Veränderung in dir, nicht beim Partner. Das klingt zunächst hart, ist aber eigentlich gute Nachricht: Du musst nicht warten, bis er sich ändert. Du veränderst dich selbst, und alles drumherum bewegt sich mit. Das passiert nicht auf Knopfdruck, sondern ist ein Prozess von oft mehreren Jahren. Aber er beginnt damit, dass du dich entscheidest, dich selbst ernst zu nehmen.

Was nicht hilft

Manches, was gut gemeint ist, bringt bei diesem Thema wenig. „Ich liebe mich"-Mantras vor dem Spiegel etwa. Bei den meisten Frauen treffen sie auf eine innere Stimme, die ruft: „Lüg mich nicht an." Auch Druck, „endlich zu kommen", aktiviert genau die Anspannung, die den Orgasmus blockiert. Der Vergleich mit Pornos, Freundinnen oder Filmen hilft kaum weiter, weil jeder Körper seine ganz eigene Sprache hat. Und wer den Partner ändern will, übersieht oft, dass die Veränderung erst in einem selbst beginnen muss.

Was wirklich hilft

Wirkliche Bewegung passiert anders.

Sie beginnt mit Übergangs-Pausen, kleinen Inseln zwischen Tun und Empfangen. Bevor Nähe oder Lust ankommen können, darf der Tag erst einmal fallen, und sei es nur für einen Moment. Drei tiefe Atemzüge in den Bauch, ein kurzes Innehalten, wenn seine Hand auf deiner Schulter landet, ein heißes Bad am Abend, oder einfach eine Weile gar nichts. Nicht direkt aus dem Funktionieren ins Empfangen springen, sondern dazwischen einen Raum lassen.

Sie passiert dadurch, dass du beginnst, deinen Körper zu bewohnen, statt ihn zu bewerten. Wir Frauen sind schon früh trainiert worden, unseren Körper von außen anzusehen, mit allen kleinen Bewertungen, die dabei aufkommen: Bauch zu dick, Brust zu klein, Haut zu fleckig. Lust beginnt aber genau da, wo dieser bewertende Blick aufhört.

Sie passiert, wenn du mit dem inneren Teil von dir sprichst, der gerade nicht durchkommt. Hinter dem Lust-Thema sitzt bei vielen Frauen eine junge Stimme. Eine kleine Stimme, die irgendwann gelernt hat: nicht zu viel wollen, lieb sein, funktionieren. Diese Stimme darf gehört werden. Frag sie ruhig einmal: Was brauchst du, damit du dich öffnen kannst? Manchmal kommen Antworten, die zum Heulen sind.

Und sie passiert, wenn du Realität zulässt. Selbstliebe ist kein Wochenend-Workshop, sondern ein Prozess. Manchmal merkst du wochenlang gar nichts, und dann passiert es plötzlich an einem Dienstag, im Auto oder beim Zähneputzen: ich habe mich gerade gespürt. Diese kleinen Momente sind nicht spektakulär, aber sie sind real.

Über allem steht Geduld mit dir selbst. Es gibt keinen Plan und keine Deadline. Erfolg ist nicht, heute den Orgasmus zu haben, sondern heute überhaupt zu merken, dass du da bist.

Das sind erste Brücken. Tiefer schauen wir uns das gemeinsam an, wenn du magst, entweder in der Begleitung oder in einem Folgebeitrag, der nachkommt.

Wenn du das hier liest und nickst

Dann bist du nicht allein, sondern Teil eines stillen Kreises, der eine ganze Branche füllt. Millionen Frauen, die genau das fühlen, was du gerade fühlst.

Du bist nicht falsch und nicht kaputt. Du bist nicht weniger Frau, weil dein Körper anders tickt als der Körper im Drehbuch. Du bist hochsensibel und nimmst mehr auf als andere, und du brauchst andere Bedingungen, um wirklich in dir anzukommen. Das ist kein Mangel, sondern deine Art zu sein.

Auch wenn der Orgasmus heute nicht kommt, auch wenn die Lust manchmal weg ist, auch wenn dein Kopf gerade die Einkaufsliste sortiert, während dein Partner versucht, dich zu erreichen: du bist gut, genau so wie du bist.

Es darf weich werden. Auch in dir.

Deine Jennyfer

Hast du dich wiedererkannt?

Komm gern in den Gruppenraum. Kleine Runde, maximal drei Frauen. Alles feinfühlige Menschen, die nicken statt komisch zu gucken.

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