Warum ich erst rausgegangen bin, als jemand von mir abhing
Jahrelang bin ich allein nicht spazieren gegangen, obwohl es mir gutgetan hätte. Was sich mit meiner Hündin geändert hat, was man vorher klären muss, und was hilft, wenn ein Tier für dich nicht infrage kommt.
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Mit KI erstelltKennst du das?
Sonntagnachmittag, das Wetter ist gut, und du weißt genau, dass ein Spaziergang dir jetzt guttun würde. Du gehst trotzdem nicht.
Nicht weil du keine Lust hast. Sondern weil du dir nicht vorstellen kannst, da draußen allein herumzulaufen. Wo willst du denn hin. Was machst du da. Und die Leute sehen ja, dass du einfach nur so gehst.
Oder du gehst mit, wenn jemand fragt, und es ist schön. Aber von allein kommst du nicht los.
Vielleicht kennst du auch das Gefühl, dass du dir draußen ohne Begleitung seltsam vorkommst. Als bräuchte es einen Grund, um einfach da zu sein.
Wenn du dich hier wiederfindest, bist du richtig.
Kurz zu mir, bevor es weitergeht
Ich bin Sensi-Begleiterin und begleite feinfühlige Menschen bei dem, was ihnen schwerfällt. Hundetrainerin bin ich nicht, Tierärztin auch nicht, und ich gebe dir hier keinen fachlichen Rat zur Haltung.
Was ich habe, ist meine eigene Geschichte und das, was ich dabei gelernt habe. Vielleicht erkennst du dich, vielleicht nicht. Beides ist gut.
Falls dich der Text schon jetzt berührt und du mit jemandem reden möchtest, der nickt statt komisch zu gucken: im Gruppenraum oder im Einzelgespräch ist Platz dafür.
Ich bin jahrelang nicht rausgegangen
Nicht im dramatischen Sinn. Ich bin zur Arbeit gefahren, ich habe eingekauft, ich habe Dinge erledigt. Was ich nicht konnte, war einfach so rausgehen, ohne Zweck.
Wenn ich mit jemandem verabredet war, ging es. Dann hatte ich einen Grund, ein Gespräch, eine Richtung. Allein stand ich vor der Tür und wusste nicht, wohin mit mir. Nach zehn Minuten war ich wieder da und hatte das Gefühl, es nicht richtig gemacht zu haben.
Das klingt banal, wenn man es aufschreibt. Es hat mich trotzdem jahrelang zu Hause gehalten, gerade an den Tagen, an denen frische Luft das Einzige gewesen wäre, was geholfen hätte.
Was sich mit ihr geändert hat
Irgendwann kam meine Hündin dazu. Und mit ihr etwas, das ich mir vorher nicht hatte geben können: einen Grund, der nicht verhandelbar ist.
Sie muss raus. Nicht weil es gut für mich wäre, sondern weil sie ein Lebewesen ist, das etwas braucht. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Mit mir selbst konnte ich diskutieren, morgen ist auch noch ein Tag. Mit ihr nicht.
Und plötzlich hatte ich draußen auch eine Aufgabe. Ich lief nicht mehr sinnlos herum, ich war mit jemandem unterwegs. Niemand sieht eine Frau, die nicht weiß, wohin mit sich. Sie sehen jemanden, der mit seinem Hund spazieren geht. Dass mir das etwas ausgemacht hat, ist mir erst aufgefallen, als es weg war.
Inzwischen gehen wir joggen, sie kommt fast überall mit hin, und ich bin an der frischen Luft, ohne dass ich mich dazu überreden muss.
Und jetzt der wichtigste Teil
Ich schreibe das hier ungern als Erfolgsgeschichte, weil ich weiß, wie so etwas wirken kann. Man liest es an einem einsamen Abend und denkt: Dann hol ich mir eben auch einen Hund.
Bitte nicht so.
Ein Tier ist keine Maßnahme gegen Einsamkeit. Es ist ein Lebewesen, das zehn bis fünfzehn Jahre von dir abhängt, jeden einzelnen Tag, auch an denen, an denen du selbst kaum kannst. Wenn es nicht passt, leiden am Ende zwei.
Bei mir hat es funktioniert, weil ich vorher geklärt habe, ob es in mein Leben passt. Und zwar wirklich vorher, nicht hinterher.
Die Arbeit. Ich habe abgeklärt, ob ich sie mitnehmen darf, bevor ich sie geholt habe. Wer acht Stunden weg ist und niemanden hat, der einspringt, sollte ehrlich rechnen.
Die Wohnung. Mit dem Vermieter geklärt. Das ist kein Detail, daran sind schon Menschen gescheitert.
Die Größe. Sie ist bewusst nicht winzig und nicht groß. Klein genug, dass sie ins Auto passt und überall mitkommt. Groß genug, dass ich mit ihr laufen kann. Ein Hund, der zu meinem Tempo passt, nicht einer, den ich mir schön geredet hätte.
Die Gegend. Gibt es zu Fuß erreichbare Stellen, wo sie auch mal frei laufen kann. Ohne das wird jeder Spaziergang zur Pflichtübung an der Leine.
Und das Geld und die Zeit. Futter, Tierarzt, Betreuung im Urlaub. Spontan wegfahren geht so nicht mehr.
Wenn du diese Punkte durchgehst und einer davon nicht passt, ist das keine Niederlage. Es heißt nur, dass dieser Weg gerade nicht deiner ist.
Womit ich mich beschäftigt habe
Was mich selbst überrascht hat: wie viel ich plötzlich gelesen habe. Über Halsband und Geschirr, darüber, was beim Ziehen am Hals passiert. Über Futter, über Zutatenlisten, darüber, was in vielen Fertigprodukten steckt.
Irgendwann bin ich beim Barfen gelandet, also beim selbst zusammengestellten Frischfutter. Ich sage bewusst nicht, dass das der einzig richtige Weg ist, dazu wird zu viel gestritten und ich bin keine Fachfrau. Für uns beide passt es, und ich habe mich gründlich eingelesen, bevor ich angefangen habe.
Für mich war das rückblickend ein eigener Gewinn. Ich habe mich mit etwas beschäftigt, weil ich wollte, nicht weil ich musste. Das kannte ich so nicht mehr.
Warum fällt mir das Rausgehen so schwer, obwohl es mir guttut?
Weil Rausgehen für dich nicht nur Rausgehen ist.
Es sind Menschen, Geräusche, Blicke, Wetter, Entscheidungen. Wo lang, wie lange, wen treffe ich. Für jemanden, der weniger mitbekommt, ist das ein Spaziergang. Für dich ist es eine Reihe kleiner Anforderungen, und dein Kopf rechnet sie schon vorher zusammen.
Deshalb hilft der gute Vorsatz so wenig. Was hilft, ist etwas, das die Entscheidung wegnimmt. Bei mir war das ein Hund, aber es kann auch eine feste Uhrzeit sein oder jemand, der wartet.
Damit du es realistisch einordnest
Sie hat mich nicht geheilt. Ich bin immer noch die, die sich Menschenmengen genau überlegt, und es gibt Tage, an denen mir alles zu viel ist.
Es gibt auch Morgen, an denen ich bei Regen um sechs vor der Tür stehe und keine Lust habe. Das gehört dazu und wird in den schönen Bildern selten erwähnt.
Was sich geändert hat, ist etwas Kleineres: Ich bin jeden Tag draußen. Nicht weil ich mich motiviert habe, sondern weil jemand von mir abhängt. Für mich hat Verantwortung besser funktioniert als jeder gute Vorsatz.
Wenn ein Tier für dich nicht infrage kommt
Dann ist das völlig in Ordnung, und dieser Text soll dich nicht schlecht fühlen lassen.
Was bei mir gewirkt hat, war ja nicht der Hund an sich. Es war, dass ich draußen eine Aufgabe hatte und einen Grund, der nicht von meiner Tagesform abhing.
So etwas geht auch anders. Ein fester Weg zur selben Zeit, damit du nicht jedes Mal neu entscheiden musst. Etwas mitnehmen, das dir eine Richtung gibt. Bei einer Nachbarin fragen, ob du ihren Hund manchmal mitnehmen darfst, davon haben oft beide Seiten etwas. Oder ein Tierheim in der Nähe, die suchen fast überall Menschen zum Gassigehen.
Es muss dir nicht gehören, damit es dich rausbringt.
Wenn du das hier liest und nickst
Dann kennst du vielleicht dieses Zögern an der eigenen Haustür. Und vielleicht hast du dir schon oft vorgenommen, mehr rauszugehen, und es dann doch nicht getan.
Das liegt nicht an zu wenig Disziplin. Es liegt daran, dass du für dich allein schlechter sorgst als für alle anderen. Das ist bei feinfühligen Menschen so verbreitet, dass es fast schon ein Erkennungszeichen ist.
Du darfst dir einen Grund suchen, der von außen kommt, bis du ihn irgendwann nicht mehr brauchst. Das ist kein Schummeln. Das ist einfach ein Umweg, der bei dir funktioniert.
Es darf weich werden. Auch in dir.
Deine Jennyfer
Einmal im Monat ein Brief
Wenn dir der Text gutgetan hat: Einmal im Monat schreibe ich auf, was mich gerade beschäftigt. Ruhig, ohne Programm, und du kannst jederzeit wieder gehen.
Hast du dich wiedererkannt?
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