Zu leise, zu langsam, zu schüchtern. Die Wörter, die wir über uns behalten.
Warum Sätze wie „zu leise", „zu langsam" oder „zu schüchtern" hängenbleiben, wie sie von außen nach innen wandern, und warum kein Werkzeug wirkt, solange du sie zur Reparatur benutzt.
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Mit KI erstelltKennst du das?
Du sitzt bei einer Feier am Tisch, es wird viel geredet, und du sagst wenig. Irgendwann dreht sich jemand zu dir und sagt: „Du bist ja heute wieder still."
Oder du gibst etwas ab, an dem du lange gearbeitet hast, und hörst: „Schön. Hat nur ewig gedauert."
Oder du stehst in einer Gruppe, alle stellen sich vor, und du merkst, wie deine Stimme leiser wird als geplant. Hinterher denkst du an nichts anderes mehr.
Vielleicht kennst du auch den Satz aus deiner Kindheit, den man dir so oft gesagt hat, dass du ihn heute selbst denkst, bevor ihn jemand aussprechen kann.
Zu leise. Zu langsam. Zu schüchtern. Zu ernst.
Wenn du dich hier wiederfindest, bist du richtig.
Kurz zu mir, bevor es weitergeht
Ich bin Sensi-Begleiterin und begleite feinfühlige Menschen bei dem, was ihnen schwerfällt. Therapeutin bin ich nicht, und ich arbeite auch nicht mit deiner Kindheit im therapeutischen Sinn.
Was ich habe, sind Beobachtungen. Aus meinen Gesprächen, aus dem, was Frauen mir nebenbei erzählen, und aus meinem eigenen Leben. Es ist keine Wissenschaft. Vielleicht erkennst du dich, vielleicht nicht. Beides ist gut.
Falls dich der Text schon jetzt berührt und du mit jemandem reden möchtest, der nickt statt komisch zu gucken: im Gruppenraum oder im Einzelgespräch ist Platz dafür. Du musst nicht bis zum Ende warten.
Wie ein Wort von außen nach innen wandert
Am Anfang sagt es jemand anderes. Eine Lehrerin, ein Onkel, ein Kind auf dem Schulhof. Meistens nicht einmal böse gemeint, oft nur so dahingesagt.
Dann sagt es jemand wieder. Und noch jemand. Und irgendwann, das ist der eigentliche Moment, sagst du es selbst. Nicht laut. Du denkst es nur, wenn du dich vorstellen sollst, oder wenn du merkst, dass du länger brauchst als die anderen.
Ab da brauchst du niemanden mehr, der es dir sagt. Du hast es übernommen.
Und das Tückische ist: Es fühlt sich nicht wie eine fremde Meinung an. Es fühlt sich wie eine Tatsache an. So wie deine Schuhgröße. Man diskutiert ja auch nicht mit seiner Schuhgröße.
Warum bleiben Sätze aus der Kindheit so lange hängen?
Weil du sie nicht als Meinung gehört hast, sondern als Auskunft darüber, wer du bist.
Ein Kind kann noch nicht prüfen, ob der Erwachsene recht hat. Es übernimmt einfach. Und je öfter derselbe Satz kommt, desto weniger klingt er nach jemandes Urteil und desto mehr nach einer Tatsache. Irgendwann sagt es keiner mehr, weil du es selbst sagst.
Deshalb ist das keine Frage von Selbstdisziplin. Der Satz sitzt an einer Stelle, an die Vorsätze nicht kommen.
Warum dir dann kein Werkzeug hilft
Das ist die Stelle, an der ich lange nicht weitergekommen bin, und ich sehe sie bei vielen Frauen wieder.
Du liest ein Buch über Selbstwert. Du machst einen Kurs. Du fängst an zu journaln, du probierst Affirmationen, du stehst früher auf. Alles ehrlich gemeint, alles ordentlich gemacht. Und trotzdem passiert nichts, oder es hält drei Wochen.
Der Grund liegt nicht am Werkzeug. Er liegt darin, wofür du es benutzt.
Wenn du im Hintergrund glaubst, dass mit dir etwas nicht stimmt, dann wird jedes Werkzeug zu einer Reparatur. Du machst die Übung nicht, weil sie dir guttut, sondern damit du endlich weniger schüchtern bist. Damit du schneller wirst. Damit du lauter wirst.
Und dann hast du zwei Probleme statt einem: das Ursprüngliche, und dazu die neue Möglichkeit zu scheitern. Denn wenn du nach der Übung immer noch leise bist, ist das jetzt auch noch dein Versagen.
Ich habe das mit Morgenroutinen erlebt. Ich habe sie nicht gemacht, weil ich morgens gern in Ruhe ankomme. Ich habe sie gemacht, weil ich glaubte, dass ich so sein müsste wie die Menschen, die das können. Gescheitert bin ich jedes Mal, und jedes Mal war das der Beweis, den ich sowieso schon erwartet hatte.
Die Wörter sagen weniger, als du denkst
Es hat sich für mich etwas verschoben, als ich gemerkt habe, dass diese Wörter gar keine Eigenschaften beschreiben. Sie beschreiben eine Beobachtung, und zwar von außen, und sie hängen ein Urteil dran.
„Zu leise" heißt: Du hast weniger gesagt, als der andere erwartet hat. Über dich sagt das nichts. Über die Erwartung des anderen schon.
„Zu langsam" heißt: Du warst nicht in dem Tempo fertig, in dem jemand anderes fertig gewesen wäre. Ob das Tempo besser war, steht auf einem anderen Blatt.
„Zu schüchtern" heißt oft: Du warst dir nicht sicher, ob du willkommen bist. Das ist keine Charakterschwäche. Das ist eine sehr genaue Wahrnehmung, die du irgendwann gelernt hast.
Und dieses kleine Wort „zu" davor ist gar nicht Teil der Beschreibung. Es ist die Note. Man kann es weglassen, und es bleibt trotzdem etwas Wahres stehen.
Ich sage bewusst nicht, dass du in Wahrheit besonders bist und alle anderen es nur nicht sehen. Das wäre nur dasselbe Urteil andersherum, und du würdest es ohnehin nicht glauben. Ich sage: Das Wort beschreibt weniger, als du ihm zugetraut hast.
Was sich dadurch ändert
Nicht das, was du erwartest.
Du wirst nicht plötzlich laut. Ich bin heute noch die, die auf Feiern eher zuhört. Ich brauche für manche Dinge länger als andere, und daran hat sich nichts geändert.
Was sich geändert hat, ist der Kommentar nebenher. Früher lief bei jedem stillen Moment eine Stimme mit, die sagte: Jetzt bist du wieder so. Heute ist da meistens nichts. Ich bin still, und das ist einfach das, was gerade passiert.
Das klingt nach wenig. Es ist der Unterschied zwischen einem Tag, der anstrengend war, und einem Tag, der anstrengend war und an dem du dich zusätzlich schlecht gefühlt hast, weil du du warst.
Und erst von dort aus fangen Werkzeuge an zu wirken. Nicht weil sie besser geworden sind, sondern weil du sie nicht mehr gegen dich einsetzt.
Damit du es realistisch einordnest
Das Wort verschwindet nicht. Meins ist immer noch da, und an müden Tagen ist es laut.
Es hat auch keine Woche gedauert, sondern Jahre, und ich bin nicht fertig damit. Es gibt keine Übung, die ich dir hier hinschreiben könnte, nach der es weg wäre. Wenn dir jemand so etwas verspricht, sei vorsichtig.
Was sich verändert hat, ist der Abstand. Zwischen den Momenten, in denen die Stimme laut wird, liegt inzwischen mehr Zeit.
Wenn du das hier liest und nickst
Dann hast du vielleicht auch so ein Wort. Eins, das du schon so lange mit dir trägst, dass du es für einen Teil von dir hältst.
Du musst es heute nicht loswerden. Du darfst nur einmal prüfen, ob es wirklich von dir stammt. Wer hat es zuerst gesagt. Und war das jemand, dessen Urteil du heute noch übernehmen würdest.
Du bist nicht zu leise, zu langsam oder zu schüchtern. Du bist leise, gründlich und vorsichtig, und irgendwann hat jemand ein Wörtchen davorgesetzt, das nie dazugehörte.
Es darf weich werden. Auch in dir.
Deine Jennyfer
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