Das Bild, zu dem ich zurückgehe, wenn ich mich wieder verzettelt habe
Wofür bin ich eigentlich da? Diese Frage lässt sich schwer beantworten. Was mir hilft, ist kein Ziel, sondern ein Bild. Über Berufung, Fixsterne und das Gefühl, sich ständig zu verzetteln.
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Mit KI erstelltKennst du diese Frage?
Sie kommt selten zu einem passenden Zeitpunkt. Bei mir kommt sie abends, wenn alle schlafen und der Tag eigentlich vorbei ist. Oder mitten im Supermarkt, zwischen Regal drei und vier, völlig aus dem Nichts.
Wofür bin ich eigentlich da?
Vielleicht kennst du sie in einer anderen Form. Auf einer Feier, wo jemand fragt, was du denn nun beruflich machst, und du gibst eine Antwort, die stimmt, sich aber nicht nach dir anfühlt. Oder in einem Job, den du gut kannst, richtig gut sogar, und trotzdem fährst du freitags nach Hause und denkst: War es das jetzt. Oder beim Scrollen, wo alle anderen ihre Berufung längst gefunden zu haben scheinen und nur du noch suchst.
Wenn du dich hier wiederfindest, bist du richtig.
Kurz zu mir
Ich bin Jennyfer, Sensi-Begleiterin. Ich begleite feinfühlige Frauen und bin selbst eine. Ich bin keine Berufungscoachin. Ich habe keinen Test, der dir sagt, wofür du gemacht bist, und ich glaube auch nicht, dass es so einen gibt.
Ich bin da selbst mittendrin. Ich probiere ziemlich viel aus, lasse das meiste wieder liegen und fange etwas Neues an, und komme mir dabei nach und nach selbst auf die Schliche. Nicht durchs Nachdenken. Durchs Machen.
Was hier steht, ist keine Wissenschaft. Es ist das, was ich bei mir beobachte und was Frauen mir erzählen, wenn wir lange genug reden.
Falls du beim Lesen merkst, dass du darüber sprechen möchtest, ohne dich erklären zu müssen: im Gruppenraum oder im Einzelgespräch ist Platz dafür. Du musst nicht warten, bis du am Ende angekommen bist.
Warum „wofür bin ich da" fast nie eine Antwort bekommt
Wofür bin ich eigentlich da. Oder, wie es bei anderen klingt: Was soll ich mit meinem Leben anfangen. Das ist dieselbe Frage, und sie bekommt fast nie eine Antwort.
Weil wir sie stellen wie eine Prüfungsfrage. Als gäbe es irgendwo eine hinterlegte Lösung und wir kommen nur nicht dran.
Und weil sie meistens genau dann kommt, wenn sie am wenigsten geht. Nämlich dann, wenn wir uns klein fühlen. Wer sich klein fühlt, schaut nach außen. Und außen findet man vor allem Antworten, die anderen Leuten gehören.
Ich glaube inzwischen, dass diese Frage erst etwas hergibt, wenn du bei dir selbst angekommen bist. Vorher sammelst du nur Vorschläge ein.
Was bei mir stattdessen funktioniert hat
Irgendwann habe ich aufgehört, nach einer Antwort zu suchen, und angefangen, auf ein Bild zu achten.
Nicht auf einen Plan. Auf ein Bild.
Meines geht so: Ich laufe über ein Feld. Mal ist es Korn, mal Raps, mal einfach Blumen. Die Sonne scheint. Ich gehe einen Weg entlang und lasse die Hand an den Blüten mitlaufen, so leicht, dass es kaum eine Berührung ist. Um mich herum ist Weite. Und neben mir laufen Tiere mit. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie gerade Lust dazu haben.
Ich bin in diesem Bild vollkommen ruhig. Nicht beschäftigt, nicht auf dem Weg irgendwohin. Einfach in Frieden mit mir.
Das ist kein Ziel im üblichen Sinn, ich kann es in keinen Kalender eintragen. Aber ich merke sofort, wenn ich mich davon entferne.
Was auf diesem Feld sonst noch steht
Das Bild ist nur der Ausschnitt. Drumherum ist ein ganzer Ort.
Dort leben Tiere, die woanders nicht mehr erwünscht sind. Nicht nur Hunde und Katzen, sondern all die anderen, die aussortiert werden, wenn sie alt werden oder nichts mehr einbringen. Pferde, Hühner, Schafe, Wachteln, eine Kuh, die einfach da sein darf und keine Milch geben muss. Ein Gnadenhof also, kein Betrieb. Große Scheunen, viele Plätze, viel Raum. Deswegen darf das in meinem Kopf ruhig riesig sein.
Und es gibt Menschen dort. Menschen aus einem Umfeld, das ihnen nicht guttut. Menschen, die nirgends richtig dazugehören und über die immer jemand anders bestimmt hat. Die dürfen dort erstmal ankommen und sich selbst kennenlernen. Zusammen mit den Tieren, weil ein Tier dich nicht bewertet und dich auch nicht fragt, was du beruflich machst.
Es wird dort gearbeitet. Angepflanzt, geerntet, eingekocht, genäht, repariert. Nicht weil Arbeit an sich heilt, das wäre mir zu einfach gedacht, sondern weil sich manches erst sortiert, während die Hände beschäftigt sind. Und weil es verbindet, wenn man gemeinsam etwas hinbekommt.
Und es soll ein Ort sein, der der Erde etwas zurückgibt, statt ihr etwas wegzunehmen. Selbstversorgung heißt für mich nicht, alles allein zu schaffen. Es heißt, mit dem zu arbeiten, was da ist. Böden, die etwas hergeben dürfen, weil man sie nicht ausnimmt. Kräuter, Beeren, Obst, Gemüse, so wie es kommt. Tiere, die leben und nicht produzieren. Das ist der Teil, bei dem ich am wenigsten Kompromisse machen möchte.
Wie das am Ende heißt, weiß ich nicht. Ranch klingt zu groß, Hof klingt zu klein. Lebensraum trifft es eher. Lebensfreuderaum, wenn ich ehrlich bin.
Es darf auch anders gehen
Wenn es dort Unterstützung gibt, dann in ihrer eigenen Form. Vielleicht therapeutisch, vielleicht einfach mit dem, was jemand über Jahre gesammelt hat. Aber so wenig wie möglich nach Lehrbuch.
Mir ist das Menschsein wichtig. Jeder Mensch ist anders, und das bekommst du in kein Therapiebuch gepackt. Es gibt keinen Pauschalplan, weder für ein Thema noch für einen Menschen. Deshalb tue ich mich schwer damit, jemanden in eine Diagnose oder eine Prognose zu packen.
Das ist keine Anklage. Ich habe nichts gegen das, was es schon gibt, und für viele Menschen ist genau das der richtige Weg. Ich glaube nur, dass es daneben noch etwas anderes geben darf. Etwas, das nicht so aussieht, wie man es üblicherweise macht, und das trotzdem trägt.
Nicht dagegen. Daneben.
Der Glaube daran ist nicht die Zugabe
Ich kann nicht beweisen, dass es diesen Ort einmal geben wird. Ich kann nur daran glauben. Und das mache ich.
Dieser Glaube ist nicht das Sahnehäubchen auf dem Bild, er ist der ganze Punkt. Solange du an nichts glaubst, was größer ist als der nächste Monat, hältst du vor allem aus. Sobald du etwas hast, an das du glaubst, hältst du auf etwas zu. Das ist ein Unterschied, den du in deinem Körper merkst, lange bevor sich im Außen irgendetwas verändert hat.
Und ehrlich gesagt tut es mir schon jetzt gut, lange bevor es irgendetwas davon wirklich gibt. Es macht die Tage anders, wenn ich weiß, wofür sie zählen.
Und es ist nicht nur für mich
Wenn ich mich frage, wofür ich das eigentlich mache, ist die Antwort nicht: für mich.
Sie ist: für die Tiere, die sonst keinen Platz mehr haben. Für ein Stück Boden, dem es besser geht, weil da jemand ist, der es nicht ausnimmt. Und für Menschen, die endlich irgendwo sein dürfen, ohne sich zu erklären, und die dabei anfangen können, sich selbst kennenzulernen.
Nur hat die Sache einen Haken. Ich kann das für niemanden tun, solange es bei mir selbst nicht stimmt. Wer sich selbst nicht kennt, gibt weiter, was er irgendwo aufgeschnappt hat. Wer nicht bei sich ist, kann auch niemand anderen halten.
Deshalb sage ich so oft, dass keine Methode etwas bringt, wenn du nicht bei dir selbst anfängst. Das ist kein frommer Wunsch, das ist einfach die Reihenfolge. Erst du. Dann das, was du weitergeben kannst.
Was so ein Bild im Alltag macht
Es endet nicht auf dem Feld. Da geht es weiter, ich weiß nur noch nicht wohin, und das muss ich auch nicht wissen.
Was es tut: Es ist mein Fixstern. Ich gehe dorthin zurück, wenn ich abgleite. Wenn ich etwas in Frage stelle. Wenn ich mich frage, was das hier eigentlich alles soll.
Und das passiert mir oft genug.
Ich fange ständig etwas Neues an
So sieht das bei mir nämlich aus. Ich lerne etwas, bin voll drin, und dann liegt es da und ich bin schon woanders.
Früher hat mich das fertiggemacht. Wieso bringe ich nichts zu Ende. Wieso habe ich nicht diese eine Leidenschaft wie andere, die mit sechzehn wussten, was sie mal werden. Wieso springe ich immer weiter.
Das ist übrigens auch nur wieder Vergleichen, nur gut getarnt.
Und dieses „etwas muss man zu Ende bringen" ist keine Regel, die irgendwo steht. Das ist eine Erwartung. Und meistens nicht mal meine eigene, sondern die, von der ich annehme, dass andere sie an mich haben.
Mit dem Bild im Kopf sieht dieselbe Sache anders aus. Wenn dort irgendwann ein Ort entstehen soll, an dem angepflanzt, genäht, gebaut, gekocht und begleitet wird, dann ist nichts von dem, was ich zwischendurch anfange, verloren. Dann ist es eingesammelt.
Nähen. Einkochen. Ein bisschen was über Böden und Beete. Wie man mit Menschen umgeht, die gerade nicht können. Wie man eine Webseite baut, obwohl man das nie gelernt hat. Selbst der kleine Rest, den ich von einer Sache mitgenommen habe, bevor ich sie liegen ließ, ist irgendwann für irgendetwas gut.
Aus „ich verzettele mich" wird „ich sammle ein". Es ist derselbe Vorgang. Er hat nur einen anderen Namen bekommen.
Das heißt aber nicht, dass ich bei jedem Einfall sofort losrenne.
Erst mal schauen, was das für eine Euphorie ist
Wenn etwas Neues auftaucht, kommt bei mir sofort dieses Kribbeln. Das jetzt, unbedingt, am besten heute noch. Manchmal denke ich dann: Diesmal ziehe ich das komplett durch. Und inzwischen weiß ich, dass die Euphorie auch nach einer Woche vorbei sein kann.
Deshalb gehe ich an der Stelle einen Schritt zurück und atme einmal. Und dann schaue ich, was das eigentlich für eine Euphorie ist.
Mache ich das, weil ich mich gerade klein fühle und irgendwem etwas beweisen will. Oder kommt das aus einem tiefen Impuls, weil ich es wirklich möchte. Wofür mache ich das. Und für wen.
Das ist genau die Frage, die ich mir auch bei Angst stelle. Meldet sich da ein altes Muster, oder ist die Angst gerade wirklich berechtigt. Beides fühlt sich im ersten Moment gleich an, und den Unterschied siehst du erst, wenn du kurz stehenbleibst.
Eine Sache gehört noch dazu. Wenn du in der Euphorie sofort jemandem davon erzählst, ist sie danach oft kleiner. Nicht weil die Idee schlecht war, sondern weil der andere sie nicht mit deinen Augen sieht und nicht mit deinem Bauch fühlt. Darüber habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben.
Zum Beispiel das Nähen
Ich habe noch nie richtig genäht. Dafür hatte ich nie die Geduld.
Angefangen hat es beim Einkaufen. Ich finde einfach nie die Kombination, die ich haben möchte. Entweder stimmt die Farbe nicht, oder der Stoff fühlt sich falsch an, und wenn beides passt, ist der Preis absurd. Ich habe keine Lust, für ein einzelnes Kleidungsstück so viel Geld auszugeben, und trotzdem soll es das sein, was ich mir vorgestellt habe. Diese eierlegende Wollmilchsau gibt es im Laden nicht.
Also habe ich mir Stoff bestellt. Eine Nähmaschine hat meine Tochter. Und ich probiere es einfach mal.
Und mein Kopf? Der fährt sofort Achterbahn. Da kannst du auch einen Rock machen. Und eine Bluse. Und etwas für die Kinder. Und für deinen Mann. Kissen. Bettwäsche. Innerhalb von zwei Minuten steht eine komplette Manufaktur in meinem Kopf.
Ich fange mit einer Hose an.
Nur damit. Weil ich die selbst haben möchte und weil ich sie schön finde. Das ist der Beweggrund, und der gehört mir. Ich kaufe mir dafür auch kein komplettes Equipment, sondern nehme das, was da ist, und schaue erstmal, ob mir das überhaupt liegt.
Vielleicht wird nichts daraus. Dann weiß ich hinterher, wie eine Nähmaschine funktioniert, und das ist auch schon etwas.
Und jetzt der ehrliche Teil
Ich habe diesen Hof nicht. Kein Grundstück, keine Scheune, kein Datum, keinen Businessplan. Vielleicht sieht er am Ende völlig anders aus als in meinem Kopf. Vielleicht wird kein Feld daraus, sondern ein Garten.
Ein Fixstern ist auch kein Freifahrtschein. Er macht nicht jede angefangene Sache im Nachhinein sinnvoll, und er nimmt dir das Hinschauen nicht ab.
Er nimmt der Sache nur die Panik. Das ist schon eine Menge.
Wenn du dein eigenes Bild suchst
Frag dich nicht, was deine Berufung ist. Diese Frage ist zu groß, davon macht der Kopf zu.
Frag kleiner. Wo läufst du. Was ist um dich herum. Ist es laut oder still. Ist jemand dabei, und wenn ja, wer. Was machen deine Hände. Und vor allem: Was fühlst du dort.
Nicht denken. Spüren. Das erste Bild, das kommt, ist meistens das richtige, auch wenn es unspektakulär ist. Ein Küchentisch kann ein Fixstern sein. Ein Zimmer mit einem großen Fenster. Ein Meer im Winter.
Es darf völlig unrealistisch sein. Du musst es niemandem erzählen und vor niemandem begründen. Es ist kein Vorhaben, es ist eine Richtung.
Und wenn gerade gar kein Bild kommt, ist das auch in Ordnung. Dann bist du wahrscheinlich noch bei dem Teil, der vorher dran ist, nämlich bei dir selbst anzukommen. Das Bild kommt danach von allein, meistens genau dann, wenn du gerade nicht danach suchst.
Wenn du das hier liest und nickst
Du bist nicht ziellos, nur weil du auf die Berufungsfrage keine Antwort hast. Du bist nicht sprunghaft, nur weil du viele Anfänge hast. Und du bist nicht zu spät dran.
Vielleicht sammelst du gerade nur für etwas ein, das du noch nicht benennen kannst.
Es darf weich werden. Auch in dir.
Deine Jennyfer
Einmal im Monat ein Brief
Wenn dir der Text gutgetan hat: Einmal im Monat schreibe ich auf, was mich gerade beschäftigt. Ruhig, ohne Programm, und du kannst jederzeit wieder gehen.
Hast du dich wiedererkannt?
Komm gern in den Gruppenraum. Kleine Runde, maximal drei Frauen. Alles feinfühlige Menschen, die nicken statt komisch zu gucken.
Zum GruppenraumMagst du lieber für dich allein sein? Im Einzelgespräch nehmen wir uns Zeit nur für dich. Ganz wie es sich richtig anfühlt.
Zum EinzelgesprächOder schreib mir.


