Warum bin ich nach einem schönen Fest so leer?
Zwei Tage vorbereitet, ein wunderschöner Nachmittag, und am Tag danach geht gar nichts mehr. Warum auch schöne Tage erschöpfen, woher die Gereiztheit vorher kommt und wie du den Tag danach annehmen darfst.
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Mit KI erstelltKennst du das?
Die Hochzeit deiner Freundin war wunderschön. Du hast getanzt, gelacht und bis spät in die Nacht geredet. Und am nächsten Morgen sitzt du mit dem Kaffee am Küchentisch und schaffst es nicht mal, die Spülmaschine auszuräumen.
Oder die Familie war übers Wochenende da. Alles lief gut, niemand hat sich gestritten, das Essen hat geschmeckt. Kaum ist die Tür hinter dem letzten Gast zu, sackst du in dich zusammen wie ein Luftballon am Tag nach der Party.
Oder du hast Weihnachten ausgerichtet, das Sommerfest im Garten, den Geburtstag deines Kindes. Und danach fragst du dich, warum dich etwas so Schönes so leer macht.
Wenn du dich hier wiederfindest, bist du richtig.
Kurz zu mir, bevor es weitergeht
Ich bin Sensi-Begleiterin und begleite feinfühlige Menschen bei dem, was ihnen schwerfällt. Therapeutin bin ich nicht, und ich habe auch kein Rezept gegen leere Tage.
Was ich habe, sind Beobachtungen. Aus meinem eigenen Alltag, aus meinen Gesprächen und aus dem, was Frauen mir nebenbei erzählen. Es ist keine Wissenschaft. Vielleicht erkennst du dich, vielleicht nicht. Beides ist gut.
Falls dich der Text schon jetzt berührt und du mit jemandem reden möchtest, der nickt statt komisch zu gucken: im Gruppenraum oder im Einzelgespräch ist Platz dafür. Du musst nicht bis zum Ende warten.
Zwei Tage für einen Nachmittag
Bei uns war Kindergeburtstag. Ich habe zwei Tage dafür gerödelt, und ich meine wirklich gerödelt. Eingekauft, vorbereitet und die Wohnung so weit sauber gemacht, wie man das eben macht, wenn Gäste kommen. Nicht übertrieben, aber so, dass man sich wohlfühlt, wenn es klingelt.
Und ich habe zum ersten Mal eine richtige Torte selbst gemacht. Vorbereitet habe ich sie zwei Tage lang. Im Kopf lief sie aber schon mindestens zwei Wochen vorher. Was brauche ich dafür, wann fange ich an, wird das was? Sieht die am Ende so aus, dass ich sie gern auf den Tisch stelle?
Das Backen selbst war gar nicht das Anstrengende. Anstrengend war, immer wieder zur Torte zurückzukommen. Denn ständig wollten andere Gedanken gedacht und andere Dinge getan werden. Kaum war ich bei der Creme, fiel mir die Wäsche ein, dann eine Nachricht, die noch beantwortet werden wollte, dann irgendetwas ganz anderes.
Es gibt diesen Satz: „Wo ist das Vögelchen?“ Genau so war das. Mein Kopf fliegt dem nächsten Vögelchen hinterher, und ich hole ihn zurück. Und dann wieder. Und wieder. Immer wieder in die Struktur zu kommen und dann auch drinzubleiben, das war die eigentliche Arbeit.
Dann wurde auch noch mein Mann krank. Er hat trotzdem mitgeholfen, so gut es ging, und das war eine Riesenhilfe. Aber ein Plan fühlt sich anders an, wenn einer der beiden, die ihn tragen, eigentlich ins Bett gehört.
Der Nachmittag selbst war wunderschön. Die Gäste, das Feiern, das ganze Drumherum. Ich war glücklich.
Und am Tag danach lag ich flach.
Warum bin ich nach einer Feier so erschöpft, obwohl es doch schön war?
Nicht krank, nicht mal richtig müde. Mir fehlte einfach jede Motivation, irgendetwas zu tun. Nicht für die To-dos, nicht für die schönen Sachen, nicht mal für das, worauf ich mich sonst freue. Am liebsten nur liegen und ein bisschen vor mich hin dödeln.
Körperlich hatte ich gar nicht so viel gemacht. Ein bisschen geputzt, gebacken, ein paar Stunden auf den Beinen. Das erklärt keinen ganzen Tag auf dem Sofa.
Erklärt wird er durch das, was nebenbei lief. Mein Kopf hat zwei Wochen lang mitgedacht, mitgeplant und mitgezittert, und zwei Tage lang hat er sich immer wieder selbst eingefangen. Und während der Feier hat er alles aufgenommen, was da war. Die Stimmen und das Lachen, wer gerade etwas braucht, ob es allen gut geht, ob unser Kind noch strahlt oder langsam müde wird. Das ist schön. Und es ist viel.
Erschöpfung rechnen wir gern nur den schweren Tagen zu. Aber ein schöner Tag kann dich genauso leer machen wie ein schwerer. Schön ist auch viel.
Wenn du das von dir kennst und dich schon öfter gefragt hast, warum du nach einem Fest länger brauchst als die anderen: Das hat einen Namen, und wenn du magst, schau in fünf Minuten, ob es zu dir passt: Zum kostenlosen HSP-Test. Du musst dich danach nicht anders nennen, und alles, was hier steht, gilt für dich auch ohne Etikett.
Warum ich vorher so schnell gereizt bin
Etwas habe ich an mir in diesen zwei Tagen wieder beobachtet. Bei mir darf alles gut vorbereitet sein, damit es funktioniert. Dann funktioniert es auch. Nur bin ich in dieser Zeit in einer ganz bestimmten Stimmung. Nicht Fokus, eher eine Anspannung, in der alles auf dieses eine Ziel ausgerichtet ist.
Und wenn dann etwas außer der Reihe läuft, bin ich schnell gereizt. Eine Extra-Aufgabe, die plötzlich noch dazukommt, eine Frage zur falschen Zeit oder ein Plan, der sich um eine Stunde verschiebt.
Früher dachte ich, ich bin in solchen Momenten eben unleidlich. Heute sehe ich es ein bisschen anders. Der Plan hält mich in dieser Zeit. Er ist das Geländer, an dem ich mich durch die vielen Kleinigkeiten hangle, und wenn er wackelt, wackle ich mit.
Das macht die Gereiztheit für die, die sie abbekommen, nicht schöner. Aber es hilft mir, sie nicht als Charakterfehler zu sehen, sondern als Zeichen, dass mein Kopf gerade randvoll ist.
Es war nie nur der Kuchen
Und dann war da noch etwas, das ich erst hinterher richtig gesehen habe.
Während ich an der Torte stand, liefen im Kopf noch ganz andere Sachen mit. Offene Fragen zu meiner Selbstständigkeit und zu meinem eigenen Projekt. Etwas, das mit der Krankenkasse geklärt werden will. Fragen, wie es für unser Kind weitergeht. Und natürlich die Klassiker: Ist die Wohnung sauber genug? Wie kommt das alles an?
Jedes dieser Themen für sich wäre machbar gewesen. Aber sie liefen alle gleichzeitig, und jedes war ein weiteres Vögelchen, das vorbeiflog, während ich eigentlich bei der Torte bleiben wollte. Jedes hat ein kleines Stück Platz im Kopf belegt. Wie Fenster am Computer, die man nie geschlossen hat. Man sieht sie nicht, aber der Rechner wird langsamer.
Vielleicht kennst du das. Du stehst in der Küche und machst eine einzige Sache, und gleichzeitig arbeitet in dir eine ganze Liste von Dingen, die nicht erledigt, nicht entschieden und nicht geklärt sind. Von außen sieht es aus, als würdest du nur backen. Von innen ist es eine Konferenz.
Die Vögelchen, die man nicht sieht
Die Vögelchen, von denen ich bisher erzählt habe, sind die, die ich bemerke. Die Wäsche, die Nachricht, die Krankenkasse. Da merke ich, dass ich abgeschweift bin, und hole mich zurück.
Daneben laufen aber noch andere mit, leiser und viel älter. Wie werde ich gesehen? Habe ich alles richtig gemacht? Diese Fragen melden sich nicht wie ein Gedanke, den man bemerkt. Sie sitzen einfach mit am Tisch und färben alles ein bisschen mit, die Anspannung vorher genauso wie die Müdigkeit danach.
Das sind sehr alte Muster, und sie spielen gern mal mit. Bei mir laufen sie schon so lange, dass ich sie oft erst erkenne, wenn ich genauer hinschaue. Genau das hilft mir aber: sie zu erkennen. Nicht, um sie wegzumachen, sondern um zu merken, dass da gerade nicht die Torte spricht, sondern etwas Altes.
Diesmal habe ich mir etwas anderes gesagt. Das war meine erste Torte in dieser Form, und ich bin happy, dass ich sie bis zum Ende geschafft habe. Das ist ein anderer Maßstab als die Frage, wie sie ankommt. Und es ist meiner.
Wenn dich die Frage, wie du gesehen wirst, öfter begleitet: darüber habe ich hier geschrieben.
Was ich am Tag danach gemacht habe
Ehrlich gesagt: nicht viel. Und genau darum ging es.
Das Erste war, es überhaupt zu merken. Mein erster Impuls war nämlich die Frage, was mit mir los ist und warum ich nicht in die Gänge komme, wo doch so viel liegen geblieben ist. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das kein Faulsein ist. Die letzten Tage waren mental richtig anstrengend, mehr als körperlich, und jetzt brauche ich Ruhe.
Das Zweite war, den Tag so zu nehmen, wie er ist. Mein Kopf hat mir trotzdem alle paar Minuten etwas reingespielt, das noch getan werden dürfte. Ich habe diese Gedanken kommen und wieder gehen lassen, ohne aufzuspringen. Du kannst auf dem Sofa liegen und im Kopf trotzdem die To-do-Liste weiterschreiben. Du darfst aber auch innen liegen bleiben.
Und dann nur das, was sein muss. Essen machen und so, das läuft bei mir sowieso automatisch. Alles andere, was nicht sein musste, ist eben nicht passiert. Die Welt ist trotzdem nicht stehen geblieben.
Damit du es realistisch einordnest
Ich will das nicht schöner malen, als es ist. Mit Kind und Mann zu Hause liegt man nicht einfach den ganzen Tag. Wäre ich allein gewesen, hätte ich die Couch wahrscheinlich bis zum Abend nicht verlassen. So gab es Momente, in denen ich aufstehen musste, und das war auch in Ordnung.
Ich will auch nicht so tun, als würde mir das jedes Mal gelingen. Einen leeren Tag anzunehmen statt gegen ihn anzukämpfen, ist Übung und keine Erleuchtung. Diesmal ging es gut.
Was ich mir für das nächste Mal mitnehme: den Tag danach gleich mit einplanen. Nicht als Termin, sondern als leeren Platz.
Wenn du das hier liest und nickst
Vielleicht liegst du gerade selbst auf dem Sofa, nach einem Fest, einem Besuch oder einer Woche, die schön war und trotzdem zu voll. Und vielleicht fragst du dich, was mit dir nicht stimmt.
Es stimmt alles mit dir. Du hast viel aufgenommen, und jetzt braucht es Zeit, bis es sich gesetzt hat. Das heißt nicht, dass du zu wenig aushältst. Es heißt, dass du da warst, mit allem, was du wahrnimmst.
Du darfst den Tag danach haben. Ohne ihn dir vorher verdienen zu müssen.
Es darf weich werden. Auch in dir.
Deine Jennyfer
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