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Warum ist mir so wichtig, was andere über mich denken?

Warum die Meinung anderer so schwer wiegt, warum „ist mir doch egal“ nicht funktioniert und wie du deinem Kopf zurückgibst, dass er selbst urteilen darf.

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Warum ist mir so wichtig, was andere über mich denken?Mit KI erstellt

Kennst du das?

Du tippst eine Nachricht, und bevor du sie abschickst, liest du sie noch zweimal. Nicht wegen der Rechtschreibung. Du hörst nach, wie sie beim anderen ankommen könnte.

Oder du willst einen Termin absagen, und noch bevor der erste Satz steht, hast du schon drei mögliche Reaktionen durchgespielt und dich für die Entschuldigung entschieden, die am wenigsten Ärger macht.

Oder du sitzt beim Elternabend und dein Kind hat heute keinen guten Tag gehabt, und während die anderen reden, läuft in dir die Frage mit, was sie jetzt wohl über dich denken.

Oder du stehst morgens vor dem Schrank und überlegst nicht, worin du dich wohlfühlst, sondern was niemandem auffällt.

Wenn du dich hier wiederfindest, bist du richtig.

Kurz zu mir, bevor es weitergeht

Ich bin Sensi-Begleiterin und begleite feinfühlige Menschen bei dem, was ihnen schwerfällt. Therapeutin bin ich nicht, und ich habe auch keine Methode, die das abstellt.

Was ich habe, sind Beobachtungen. Aus meinen Gesprächen, aus dem, was Frauen mir nebenbei erzählen, und aus meinem eigenen Leben. Es ist keine Wissenschaft. Vielleicht erkennst du dich, vielleicht nicht. Beides ist gut.

Falls dich der Text schon jetzt berührt und du mit jemandem reden möchtest, der nickt statt komisch zu gucken: im Gruppenraum oder im Einzelgespräch ist Platz dafür. Du musst nicht bis zum Ende warten.

Erst mal: Das ist kein Fehler von dir

Es klingt nach Schwäche, wenn dir wichtig ist, was andere denken. Nach zu wenig Selbstbewusstsein, nach zu dünner Haut.

Dabei ist es das Normalste, was ein Mensch tun kann. Dazuzugehören war einmal keine Frage von Wohlfühlen, sondern von Überleben. Wer aus der Gruppe fiel, war allein, und allein kam niemand durch den Winter. Dein Kopf hat das nicht vergessen, auch wenn es heute nur der Elternabend ist.

Und wenn du feiner wahrnimmst als andere, bekommst du davon mehr mit. Du hörst, dass die Stimme am Telefon kippt. Du siehst, dass jemand den Blick eine Spur zu früh wegnimmt. Du bekommst also nicht mehr Urteile ab als andere Menschen, du bekommst nur mehr Signale, die du auf ein Urteil hin abklopfen kannst.

Das Problem ist nicht, dass dir wichtig ist, was andere denken. Das Problem ist, was du mit dem machst, was du dabei aufschnappst.

Der Punkt, an dem es kippt

Und hier kommt die Stelle, die mich selbst lange beschäftigt hat.

Was der andere über dich denkt, passiert in seinem Kopf. Nicht in deinem. Du kannst es nicht hören und nicht lesen, du kannst es dir nur ausdenken.

Und genau das tust du. Du baust dir aus einem kurzen Blick, einem Tonfall und einer Pause eine Meinung zusammen, und dann fühlst du dich schlecht wegen einer Meinung, die du gerade selbst erfunden hast.

Das Tückische daran: Du baust sie fast nie freundlich. Niemand geht nach Hause und denkt, die fanden mich bestimmt angenehm. Du baust die Version, die am meisten wehtut, und behandelst sie dann wie eine Tatsache.

Woraus ein Urteil über dich wirklich gemacht ist

Manchmal sagt jemand seine Meinung ja auch laut. Dann musst du sie dir nicht ausdenken, dann steht sie im Raum.

Nur ist sie deshalb noch lange nicht wahr.

Was jemand über dich denkt, ist aus seinem Material gebaut. Aus seinem Tag, seiner Geschichte, seiner Laune, aus dem, was er gewohnt ist und was er selbst mitbekommt.

Wer wenig spürt, nennt jemanden schnell zu sensibel. Wer nie wartet, nennt Gründlichkeit langsam. Wer selbst nicht Nein sagen kann, findet dein Nein sofort hart. Das Urteil beschreibt also ziemlich genau, woran der andere gewöhnt ist. Über dich sagt es weniger, als es klingt.

Ich habe einmal einen Satz über mich gehört, der mich zwei Jahre begleitet hat. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Person, die ihn gesagt hat, denselben Satz über drei andere Menschen auch gesagt hat. Es war nie eine Beobachtung über mich. Es war ihre Art, Menschen zu sortieren.

Wenn du dazu mehr lesen willst, wie solche Sätze mit der Zeit zu deinen eigenen werden: darüber habe ich hier geschrieben.

Warum „ist mir doch egal" nicht funktioniert

Das ist der Rat, den man überall bekommt. Lass es dir doch nicht so nahegehen. Ist doch egal, was die denken.

Ich habe das jahrelang versucht, und es hat nie funktioniert. Dein Kopf glaubt keine Ansagen. Er glaubt, was er erlebt hat. Du kannst ihm nicht befehlen, etwas nicht wichtig zu finden, und wenn du es trotzdem versuchst, hast du hinterher zwei Sachen: das ursprüngliche Unwohlsein, und dazu das Gefühl, nicht mal das hinzukriegen.

Deshalb geht es hier nicht darum, dass dir andere Menschen gleichgültig werden. Das wäre auch schade. Es geht darum, dass ihre Meinung ihre bleibt.

Wie du deinem Kopf beibringst, selbst zu denken

Ich glaube nicht an eine Übung, nach der das weg ist. Aber es gibt drei Sachen, die bei mir etwas verschoben haben.

Zuordnen statt widerlegen. Wenn ein Satz in dir hängt, gib ihm einen Namen. Nicht „das stimmt doch gar nicht", denn damit diskutierst du weiter mit ihm und er bleibt im Raum. Sondern: „Das denkt Martina." Mehr nicht. Ein Gedanke mit Absender ist plötzlich nur noch eine Meinung unter mehreren, und Meinungen dürfen nebeneinander stehen, ohne dass eine gewinnen muss.

Eine eigene Meinung haben, bevor du eine fremde brauchst. Das klingt banal, ist es aber nicht. Viele Frauen, mit denen ich spreche, wissen sehr genau, was andere über sie denken könnten, und kaum, was sie selbst über sich denken. Diese Stimme ist einfach wenig geübt.

Üben kannst du sie da, wo es nichts kostet. Beim Essen, bei Musik, bei der Farbe eines Pullovers. Was gefällt dir, wenn gerade niemand guckt. Das ist keine Aufgabe für abends, sondern eine Frage, die du im Vorbeigehen stellen kannst. Und je öfter dein Kopf ein eigenes Urteil bildet, desto eher fällt ihm auch eins ein, wenn es um dich selbst geht.

Nachfragen, statt es dir auszudenken. Manchmal geht das einfach. „Du warst vorhin so kurz angebunden, war irgendwas?" In den allermeisten Fällen kommt eine Antwort, die nichts mit dir zu tun hat. Handwerker, Kopfschmerzen, schlechte Nachricht am Morgen.

Damit du es realistisch einordnest

Das ist kein Wochenendprojekt. Bei mir sind das Jahre, und ich bin nicht fertig damit.

An müden Tagen denke ich immer noch für andere Leute mit, und manchmal merke ich es erst abends. Was sich geändert hat, ist nicht, dass die Frage verschwunden wäre. Es ist der Abstand. Zwischen dem Gedanken, wie das gerade angekommen ist, und dem Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt, liegt heute meistens mehr Platz.

Und manchmal liegt da gar nichts, dann stelle ich die Frage einfach nicht.

Wenn du das hier liest und nickst

Dann trägst du vielleicht gerade einen Satz mit dir herum, der nicht von dir ist.

Du musst ihn heute nicht loswerden. Du darfst nur einmal nachsehen, wem er gehört. Und ob du diesem Menschen wirklich die Auskunft darüber überlassen willst, wer du bist.

Was andere denken, passiert in ihrem Kopf. Was du über dich denkst, passiert in deinem. Und dieser eine Kopf ist der, in dem du wohnst.

Es darf leichter werden. Auch für dich.

Deine Jennyfer

Einmal im Monat ein Brief

Wenn dir der Text gutgetan hat: Einmal im Monat schreibe ich auf, was mich gerade beschäftigt. Ruhig, ohne Programm, und du kannst jederzeit wieder gehen.

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