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Warum nehme ich alles so persönlich?

Warum eine kurze Bemerkung tagelang nachhallt, warum aus einer Sache eine Auskunft über deine Person wird und was den Abstand größer macht.

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Warum nehme ich alles so persönlich?Mit KI erstellt

Kennst du das?

Jemand sagt im Vorbeigehen einen halben Satz. „Naja, wenn du meinst." Und du trägst ihn bis abends mit dir herum.

Oder du bekommst auf eine lange Nachricht ein „ok" zurück und liest es zwanzig Mal.

Oder dein Chef schreibt „können wir nachher kurz sprechen", ohne Punkt, ohne alles, und der ganze Vormittag ist hin.

Oder jemand sagt etwas über deine Arbeit, über das Essen, über die Wohnung, und obwohl es um eine Sache ging, fühlt es sich an, als wäre es über dich gegangen.

Wenn du dich hier wiederfindest, bist du richtig.

Kurz zu mir, bevor es weitergeht

Ich bin Sensi-Begleiterin und begleite feinfühlige Menschen bei dem, was ihnen schwerfällt. Ich bin keine Therapeutin, und ich halte auch nichts davon, dir ein dickeres Fell zu wünschen.

Was ich habe, sind Beobachtungen. Aus meinen Gesprächen, aus dem, was Frauen mir nebenbei erzählen, und aus meinem eigenen Leben. Vielleicht erkennst du dich, vielleicht nicht. Beides ist gut.

Falls dich der Text schon jetzt berührt und du mit jemandem reden möchtest, der nickt statt komisch zu gucken: im Gruppenraum oder im Einzelgespräch ist Platz dafür. Du musst nicht bis zum Ende warten.

Was „persönlich nehmen" eigentlich heißt

Es klingt, als wärst du empfindlich. In Wahrheit passiert etwas sehr Bestimmtes.

Jemand sagt etwas über eine Sache. Und auf dem Weg zu dir wird daraus eine Auskunft über deine Person.

„Die Tabelle stimmt hinten nicht" wird zu: Ich bin unzuverlässig. „Das Essen ist heute anders" wird zu: Ich habe es wieder nicht gut gemacht. „Können wir kurz sprechen" wird zu: Ich habe etwas falsch gemacht, ich weiß nur noch nicht was.

Zwischen dem, was gesagt wurde, und dem, was ankommt, liegt also ein Stück Weg. Und dieses Stück Weg legst du selbst zurück, in Sekunden, ohne es zu merken.

Das ist keine Charakterschwäche. Das ist eine Gewohnheit, die man erstaunlich gut sehen kann, wenn man einmal weiß, wo man hinschaut.

Warum feinfühligen Menschen das öfter passiert

Weil du mehr Rohmaterial hast.

Du hörst nicht nur den Satz, du hörst auch, wie er gesagt wurde. Du siehst die kurze Pause davor. Du merkst, dass der Blick woandershin geht. Ein anderer Mensch bekommt den Satz, du bekommst den Satz und fünf Nebeninformationen dazu.

Und dann macht dein Kopf, was Köpfe eben machen: Er sucht einen Grund. Aus fünf Nebeninformationen lässt sich hervorragend ein Grund bauen. Meistens einer, der bei dir liegt.

Dazu kommt bei vielen etwas Zweites. Wer früh gelernt hat, Stimmungen im Raum zu lesen, um sicher zu sein, hat dieses Messgerät nie wieder ausgeschaltet. Es läuft auch beim Bäcker und im Elternchat. Es war einmal sinnvoll. Es meldet sich nur heute noch, wenn niemand etwas von dir will.

Der Denkfehler: Du hältst dich für den Anlass

Und das ist die Stelle, an der sich etwas verschieben kann.

Wenn jemand kurz angebunden ist, gehst du davon aus, dass es mit dir zu tun hat. Dabei ist das Leben der anderen genauso voll wie deins. Der Handwerker ist nicht gekommen. Das Kind hat die halbe Nacht gehustet. Es gab morgens Streit, und der ist noch nicht vorbei.

Ich sage nicht, dass es nie um dich geht. Manchmal geht es um dich. Aber es geht seltener um dich, als es sich anfühlt. Meistens läuft es nicht über dich, sondern neben dir her.

Bei mir war das eine der Sachen, die ich verstehen musste, und zwar mehrfach, weil ich es immer wieder vergessen habe. Ich habe eine Kollegin drei Tage lang für verärgert gehalten. Sie hatte Zahnschmerzen.

Warum es trotzdem wehtut, obwohl du das weißt

Weil der Körper schneller ist als das Wissen.

Der Bauch zieht sich zusammen, bevor irgendein Gedanke fertig ist. Du kannst dann noch so oft wissen, dass es wahrscheinlich nicht um dich ging, das Wissen kommt hinterher. Und ein Satz, der wehgetan hat, hallt abends lauter nach als morgens, weil abends weniger dazwischenkommt.

Deshalb hilft es auch nichts, sich zu ärgern, dass man sich ärgert. Das ist nur eine zweite Runde vom selben.

Was bei mir wirklich etwas geändert hat

Den Satz wieder klein machen. Was wurde wörtlich gesagt. Nicht, was du gehört hast, sondern die Wörter. Meistens sind es weniger, als in dir angekommen sind. Der Unterschied zwischen beiden ist genau die Stelle, an der es wehtut, und die gehört dir, nicht dem anderen.

Getroffen heißt nicht gemeint. Beides fühlt sich gleich an und ist zweierlei. Du darfst getroffen sein, ohne daraus zu schließen, dass jemand auf dich gezielt hat.

Eine Nacht dazwischen. Ich schaue mir Sätze, die mich erwischt haben, am nächsten Morgen nochmal an. Erstaunlich oft ist dann nichts mehr da. Und wenn doch etwas da ist, dann ist es meistens die Sache und nicht der Mensch.

Und wenn es doch gemeint war: Dann ist es eine Rückmeldung zu etwas, das du getan hast. Nicht zu dem, was du bist. Eine schiefe Tabelle sagt, dass die Tabelle schief ist. Wer daraus eine Auskunft über deinen Wert macht, bist du selbst, und deshalb kannst du es auch wieder sein lassen.

Damit du es realistisch einordnest

Das ist keine Technik, die man einmal lernt und dann kann.

Ich nehme immer noch Dinge persönlich. An dünnen Tagen ziemlich viel. Was sich geändert hat, ist die Dauer. Früher hat ein Halbsatz einen ganzen Abend gekostet, heute manchmal noch eine Stunde, und manchmal fällt es mir am nächsten Tag wieder ein und ich denke, ach, das war das.

Wenn dir jemand verspricht, dass du nach drei Übungen nichts mehr persönlich nimmst, wäre ich vorsichtig.

Wenn du das hier liest und nickst

Dann hast du heute vielleicht auch so einen Satz mit dir herumgetragen.

Du darfst ihn einmal hinlegen und nachsehen, wie groß er wirklich ist. Und was davon der andere gesagt hat und was du dazugebaut hast, weil du den Raum so genau liest.

Dass dich Dinge erreichen, ist nichts, was repariert gehört. Es ist derselbe feine Sinn, mit dem du merkst, wenn es jemandem schlecht geht, lange bevor er etwas sagt.

Es darf leichter werden. Auch für dich.

Deine Jennyfer

Einmal im Monat ein Brief

Wenn dir der Text gutgetan hat: Einmal im Monat schreibe ich auf, was mich gerade beschäftigt. Ruhig, ohne Programm, und du kannst jederzeit wieder gehen.

Hast du dich wiedererkannt?

Komm gern in den Gruppenraum. Kleine Runde, maximal drei Frauen. Alles feinfühlige Menschen, die nicken statt komisch zu gucken.

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