Zurück zum Blog

Wem gehört der Satz, den du über dich denkst?

Die härtesten Sätze über uns stammen selten von uns selbst. Wie du erkennst, wem eine innere Stimme gehört, und was passiert, wenn du sie zurückgibst.

Magst du erstmal rausfinden, ob du selbst hochsensibel bist? Zum kostenlosen HSP-Test

Wem gehört der Satz, den du über dich denkst?Mit KI erstellt

Kennst du das?

Du machst einen Fehler, einen kleinen, du vergisst etwas mitzubringen oder verpasst eine Frist. Und noch bevor du überlegen kannst, wie du es löst, ist ein Satz da.

Immer derselbe. Bei mir ist es „typisch, nie zu Ende gedacht".

Und wenn du einmal darauf achtest, merkst du etwas Merkwürdiges: Der Satz klingt gar nicht wie du. Er klingt wie jemand. Er hat einen Tonfall, den du kennst.

Wenn du dich hier wiederfindest, bist du richtig.

Kurz zu mir, bevor es weitergeht

Ich bin Sensi-Begleiterin und begleite feinfühlige Menschen bei dem, was ihnen schwerfällt. Therapeutin bin ich nicht, und ich arbeite nicht mit deiner Kindheit im therapeutischen Sinn.

Was ich habe, sind Beobachtungen. Aus meinen Gesprächen, aus dem, was Frauen mir nebenbei erzählen, und aus meinem eigenen Leben. Es ist keine Wissenschaft. Vielleicht erkennst du dich, vielleicht nicht. Beides ist gut.

Falls dich der Text schon jetzt berührt und du mit jemandem reden möchtest, der nickt statt komisch zu gucken: im Gruppenraum oder im Einzelgespräch ist Platz dafür. Du musst nicht bis zum Ende warten.

Die Sätze in deinem Kopf haben Besitzer

Kaum ein Satz, den du über dich denkst, ist in dir entstanden.

Die meisten hat jemand zuerst gesagt. Eine Mutter, die selbst erschöpft war. Ein Lehrer vor der ganzen Klasse. Eine Freundin, die es lustig fand. Ein Chef, der Druck hatte. Ein Mann, der gehen wollte und noch schnell etwas dagelassen hat.

Manche sind wörtlich übernommen. Du könntest die Stimme nachmachen, wenn du wolltest.

Andere sind nie ausgesprochen worden. Die hast du aus Blicken gebaut, aus dem, was nicht gesagt wurde, aus einer Tür, die etwas zu laut zuging.

Und dann laufen sie einfach mit. Jahrzehnte. Ohne dass je jemand geprüft hätte, ob sie stimmen.

Woran du einen fremden Satz erkennst

Am Ton.

Deine eigenen Gedanken sind meistens umständlich. Sie wägen ab, sie schweifen ab, sie nehmen etwas zurück. So denkt ein Mensch über sich, wenn er wirklich nachdenkt.

Übernommene Sätze sind anders. Sie sind kurz. Sie sind hart. Sie sind schon fertig, bevor du angefangen hast. Und sie diskutieren nicht, sie stellen fest.

„Typisch." „Du übertreibst." „Stell dich nicht so an." „Das schaffst du eh nicht." Kein einziger dieser Sätze klingt nach jemandem, der dich mag.

Und das ist der Hinweis. Ein Satz, der in dir entstanden ist, hat selten diesen Ton. Deine eigene Stimme ist freundlicher, als du denkst. Du hörst sie nur seltener.

Eine kleine Inventur, ohne Hausaufgabe

Du musst dafür nichts aufschreiben und dir nichts vornehmen.

Es reicht, dass du in den nächsten Tagen einmal hinhörst, wenn so ein Satz kommt. Und dann stellst du eine einzige Frage: Wer spricht da gerade?

Bei manchen weißt du es sofort. Das ist fast erschreckend, wie schnell der Name da ist. Bei anderen kommt nichts, und auch das ist in Ordnung, dann lässt du es stehen.

Ich habe das mit meinem Satz gemacht und war überrascht, wie klein die Sache war, aus der er stammte. Es war eine Nebenbemerkung, an einem Nachmittag, von einem Menschen, der selbst gerade überfordert war. Aus diesem Nachmittag ist eine Überzeugung geworden, die ich dreißig Jahre über mich hatte.

Zurückgeben heißt nicht, jemandem böse zu sein

Das ist mir wichtig, weil es sonst schnell nach Abrechnung klingt.

Du musst niemanden anrufen. Du musst nichts klären, niemandem Vorwürfe machen und keine Beziehung beenden. Die meisten dieser Sätze sind nicht aus Bosheit entstanden, sondern aus Überforderung, aus Gewohnheit, aus dem Ton, den jemand selbst von zu Hause kannte.

Zurückgeben heißt nur: Der Satz bekommt wieder einen Absender. Er steht nicht mehr als Tatsache über dir, sondern als Meinung von jemandem, an einem bestimmten Tag, in einer bestimmten Lage.

Mehr passiert nicht. Und es ist trotzdem eine Menge, weil ein Satz mit Absender nicht mehr dieselbe Macht hat.

Nicht alles Geerbte muss weg

Es gibt auch die anderen.

Meine Oma hat bei allem, was schwierig war, erst mal Tee gekocht. Dieser Satz läuft bei mir bis heute mit, und ich will ihn nicht loswerden. Er ist auch nicht von mir, aber er tut gut.

Darin liegt eigentlich der ganze Unterschied. Nicht zwischen deinen Sätzen und fremden. Sondern zwischen den Sätzen, die du irgendwann übernommen hast, und denen, die du behalten würdest, wenn du heute aussuchen dürftest.

Du darfst aussuchen. Das ist neu für viele Frauen, mit denen ich spreche.

Was kommt, wenn ein fremder Satz geht

Erst mal nichts, und das ist unangenehm.

Da ist plötzlich eine Lücke, wo vorher sofort ein Urteil war. Manche Frauen erschrecken darüber und holen den alten Satz zurück, weil eine harte Stimme immer noch besser ist als gar keine.

Wenn du das aushältst, fängt irgendwann eine eigene Stimme an. Am Anfang unsicher und geliehen, oft mit den Worten von jemandem, der dir gut will. Das ist kein Schummeln. So fängt es an.

Und ich will ehrlich sein: Das dauert. Bei mir sind das Jahre, nicht Wochen, und an müden Tagen ist der alte Satz sofort wieder da und klingt genauso überzeugt wie immer.

Wenn du das hier liest und nickst

Dann hast du beim Lesen wahrscheinlich schon einen Satz im Kopf gehabt. Vielleicht sogar mit Stimme.

Du musst heute nichts damit machen. Du darfst ihn nur einmal ansehen und dich fragen, ob du diesem Menschen wirklich die Auskunft darüber überlassen willst, wer du bist. Und ob du diesen Satz heute noch mal aussuchen würdest.

Wenn dich interessiert, wie solche Wörter überhaupt von außen nach innen wandern, habe ich hier darüber geschrieben. Und warum uns die Meinung anderer so schwer wiegt, steht in diesem Beitrag.

Es darf leichter werden. Auch für dich.

Deine Jennyfer

Einmal im Monat ein Brief

Wenn dir der Text gutgetan hat: Einmal im Monat schreibe ich auf, was mich gerade beschäftigt. Ruhig, ohne Programm, und du kannst jederzeit wieder gehen.

Hast du dich wiedererkannt?

Komm gern in den Gruppenraum. Kleine Runde, maximal drei Frauen. Alles feinfühlige Menschen, die nicken statt komisch zu gucken.

Zum Gruppenraum

Magst du lieber für dich allein sein? Im Einzelgespräch nehmen wir uns Zeit nur für dich. Ganz wie es sich richtig anfühlt.

Zum Einzelgespräch

Oder schreib mir.