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Wenn jemand etwas Nettes sagt und ich sofort abwinke

Kaum sagt jemand etwas Schönes, winkst du ab. Was das mit Selbstwertgefühl zu tun hat, warum leise Menschen es besonders kennen und wie es kleiner wird.

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Aquarell einer offenen Handfläche, in die eine einzelne Blüte fällt, in warmem Licht.Mit KI erstellt

Kennst du diesen Reflex?

Jemand sagt, dass er dich mag. Dass du etwas gut gemacht hast. Dass du gut aussiehst heute. Und noch bevor der Satz ganz zu Ende ist, hast du schon geantwortet.

„Ach, das war nichts." „Das ist schon alt, das habe ich seit Jahren." „Da hatte ich einfach Glück." „Das hätte jeder gekonnt."

Du hast es nicht überlegt. Es kam einfach heraus, so schnell wie das Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte.

Vielleicht kennst du es aus dem Beruf, wenn ein Lob kommt und du sofort auf das Team verweist. Vielleicht in der Beziehung, wenn jemand sagt, dass er dich schön findet, und du erklärst, warum das gerade nicht stimmt. Vielleicht bei deiner Mutter, deiner Freundin, deiner Kollegin, und du merkst hinterher, dass du das Nette gar nicht gehört hast, weil du zu beschäftigt warst mit dem Abwinken.

Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du hier richtig.

Ich bin Jennyfer, Sensi-Begleiterin. Ich schreibe hier nicht als Expertin, sondern als jemand, der dasselbe kennt und lange gebraucht hat, um zu verstehen, wo das herkommt.

Falls dich das berührt und du darüber sprechen möchtest: im Gruppenraum oder im Einzelgespräch ist Platz dafür.

Ein Reflex ist kein Charakterzug

Der Unterschied ist wichtig. Ein Charakterzug wäre etwas, das du bist. Ein Reflex ist etwas, das du gelernt hast, meistens früh und meistens aus gutem Grund.

Wer als Kind erlebt hat, dass Auffallen unangenehme Folgen hat, entwickelt eine feine Antenne dafür, sich klein zu halten. Wer gehört hat, dass man nicht überheblich sein soll, verbindet Anerkennung mit Gefahr. Und wer gemerkt hat, dass er gemocht wird, wenn er bescheiden bleibt, hat einen sehr guten Grund, bescheiden zu bleiben.

Das war damals keine Schwäche. Das war klug. Es hat funktioniert.

Nur funktioniert es heute gegen dich, und das ist der einzige Grund, warum sich daran etwas ändern darf.

Was beim Abwinken tatsächlich passiert

Ein Kompliment ist ein kleines Angebot. Jemand hält dir etwas hin und sagt, so sehe ich dich.

Wenn du es sofort relativierst, passieren zwei Dinge gleichzeitig. Du selbst bekommst das Schöne nicht, weil es nie ankommt. Und der andere bekommt zurückgereicht, was er dir gerade geben wollte, und lernt nebenbei, dass es bei dir wenig Sinn hat.

Das ist das Traurige daran. Der Reflex, der dich schützen sollte, sorgt dafür, dass immer weniger davon kommt.

Warum kann ich Komplimente nicht annehmen?

Weil dein Bild von dir und das Bild des anderen gerade nicht zusammenpassen, und das erzeugt eine kleine Spannung, die schnell weg soll.

Wenn du innerlich überzeugt bist, nicht besonders zu sein, ist ein Satz wie „du machst das großartig" nicht angenehm, sondern unbequem. Er passt nicht ins Regal. Also legst du ihn zurück, und die Spannung ist weg.

Bei feinfühligen Menschen kommt etwas dazu. Du spürst den anderen mit. Wenn dich jemand lobt, nimmst du nicht nur die Worte wahr, sondern auch, was sie ihn kosten, wie er dabei steht, ob er es wirklich meint. Diese Menge an Information ist in dem Moment schwer auszuhalten, und Abwinken beendet die Situation sofort.

Wenn du wissen möchtest, ob dieses stärkere Mitbekommen bei dir eine Rolle spielt: Zum kostenlosen HSP-Test. Es ändert nichts an dem, was hier steht, aber manchmal hilft es zu wissen, dass es eine Erklärung gibt.

Warum es leise Menschen besonders oft trifft

Wer als Kind als schüchtern galt, als zurückhaltend, als die Leise, hat oft zwei Dinge gleichzeitig gelernt. Erstens, dass Auffallen unangenehm ist. Und zweitens, dass diese Zurückhaltung etwas ist, das man an einem korrigieren möchte.

Das ist eine merkwürdige Mischung. Man soll sichtbarer werden und gleichzeitig hat man erlebt, dass Sichtbarkeit unangenehm ist. Also bleibt man leise und hält sich gleichzeitig dafür für zu wenig.

Ein Kompliment trifft genau in diese Lücke. Es macht dich für einen Moment sichtbar, und zwar positiv. Und dein System, das seit Jahrzehnten daran arbeitet, dich unauffällig zu halten, greift ein, bevor du überhaupt denken kannst.

Dein Selbstwertgefühl ist dabei nicht kaputt. Es ist nur an eine alte Regel gekoppelt, die längst niemand mehr durchsetzt.

Der kleinste mögliche Anfang

Ich habe nicht versucht, Komplimente plötzlich anzunehmen. Das war zu groß.

Stattdessen habe ich angefangen, einfach nichts zu sagen. Zwei Sekunden Pause statt der schnellen Erklärung. Nur so lange, dass der Satz überhaupt bei mir ankommt.

Und danach nur ein Wort: danke. Ohne Anhang. Kein „aber", kein „ach". Das ist erstaunlich schwer und dauert bei mir bis heute manchmal einen Anlauf.

Was mir außerdem geholfen hat, ist die Frage, was mich das Annehmen eigentlich kosten würde. Bei mir kam heraus: Ich hätte Angst, überheblich zu wirken. Als ich das einmal ausgesprochen hatte, war es viel kleiner, als es sich vorher angefühlt hatte. Niemand hält eine Frau für überheblich, die danke sagt.

Was ich dabei nicht verspreche

Dass es sich schnell natürlich anfühlt. Tut es nicht. Es fühlt sich am Anfang unangenehm an, fast unehrlich, und das ist normal, weil du gegen etwas gehst, das lange geübt ist.

Und es gibt Menschen, bei denen der Reflex bleibt, weil das Verhältnis kompliziert ist. Auch das darf so sein. Es muss nicht bei allen gelingen, damit es überhaupt etwas bringt.

Wenn du an dieser Stelle weitergehen möchtest

Zwei Sekunden Pause. Mehr nicht. Nicht annehmen müssen, nur nicht sofort abwinken. Danach ein einziges Wort: danke. Ohne „aber", ohne „ach". Das ist erstaunlich schwer und der ganze erste Schritt.

Schreib mit, was Leute über dich sagen. Nicht um es zu glauben, sondern um es überhaupt einmal stehen zu lassen. Nach ein paar Wochen liest sich diese Liste anders, als sie sich beim Hören angefühlt hat.

Frag, wo das Kleinmachen herkommt. Wer als die Leise galt, hat früh eine Regel übernommen, die längst niemand mehr durchsetzt. Mir hat es geholfen, meine eigenen Muster einmal von außen beschrieben zu sehen. Was mir der Personal Code gezeigt hat erzählt davon, und es gibt einen kostenlosen Einblick.

Und falls du merkst, dass du damit nicht alleine sitzen möchtest: Im Gruppenraum sitzen andere, die genau das kennen, und ein Kennenlerngespräch ist kostenlos.

Wenn du das hier liest und nickst

Dann bist du nicht kokett und nicht kompliziert. Du hast irgendwann gelernt, dich klein zu machen, und dein Körper macht das seitdem zuverlässig weiter, weil er denkt, er tut dir einen Gefallen.

Du darfst ihm langsam beibringen, dass die Gefahr vorbei ist. Zwei Sekunden Pause reichen für den Anfang. Und wenn du beim nächsten Mal wieder abwinkst, ist das kein Rückschritt, sondern nur ein alter Weg, den du bisher am häufigsten gegangen bist.

Es darf leichter werden. Auch für dich.

Deine Jennyfer

Über die Wörter, die andere uns früh gegeben haben, steht mehr in Zu leise, zu langsam, zu schüchtern.

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